ARCHITECTS, Live Music Hall, Köln

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Sie sind wieder auf Tour! Nach einem turbulenten Jahr 2016, haben sich ARCHITECTS dazu entschlossen, Europas Clubs und Konzerthallen wieder auseinander zu nehmen. Auf ihrer “All Our Gods Have Abandoned Us” in Deutschland sind außerdem BURY TOMORROW und STICK TO YOUR GUNS mit am Start.

In Deutschland machen sie am 19. Oktober als erstes in Köln halt. Die Live Music Hall in Ehrenfeld ist restlos ausverkauft. Die beiden Supportbands heizen den Fans gehörig ein und nehmen sich während ihrer relativ kurzen Sets trotzdem Zeit, das politische Engagement ihrer Freunde von ARCHITECTS hervorzuheben. Fans der britischen Hardcore-Band wissen, dass ihnen kein Thema zu unbequem ist. Nicht umsonst sind sie schon seit Längerem Unterstützer der HARDCORE HELP FOUNDATION, die in der Hall auch mit einem Stand vertreten sind.

Die Menge geht bei BURY TOMORROW und STICK TO YOUR GUNS schon ordentlich ab, aber sobald ARCHITECTS mit “Nihilist” die Bühne stürmen, bleibt keiner mehr still stehen. Complete Mayhem! Die Halle singt mit, fast jeder kennt die Lyrics auswendig. Obwohl sie auf dieser Tour ihr aktuelles Album “All Gods Have Abandoned Us” promoten, besteht ihre Setlist aus den besten Songs der letzten Jahre. Sogar “Early Grave” vom 2009er Album “Hollow Crown” ist dabei.

Die Jungs spielen einen Kracher nach dem anderen und machen zwischendrin immer wieder Pausen für motivierende und emotionale Ansprachen. Im Normalfall sind viele Leute von ausgiebigem Geschwätz auf der Bühne genervt – nicht bei ARCHITECTS. Es ist wirklich erstaunlich, wie gebannt die Kölner Sam zuhören und Beifall klatschen. Es scheint sich tatsächlich jeder verstanden zu fühlen.

People outside, they think we’re just guys screaming into the microphone without a meaning. But that’s not true. People feel safe in here, they feel understood.

Klingt cheesy, aber es kommt wirklich von Herzen. Da kann man schon mal Gänsehaut bekommen. Neben den etwas kleineren emotionalen Auswüchsen, sticht Sams letzte Ansprache besonders hervor. Es geht um ihren im August verstorbenen Gitarristen, Tom. Mit nur 28 Jahren erlag er dem Krebs. Obwohl er die letzten Monate hart gegen die Krankheit ankämpfen musste, war er bei seiner Band immer voll dabei – umso schockierender war die Todesnachricht.

I wish Tom was here with us tonight. I wish he could see all of you. We’ve been thinking a lot if it’s right to continue with our music. But we realised it’s not about us, it’s not about Tom, it’s about you guys.

Im Saal herrscht absolute Stille. Die tätowierten Schränke, die zuvor im Mosh-Pit noch völlig ausgerastet sind, liegen sich nun in den Armen. Schnell wischt man sich die letzte Träne aus dem Gesicht, bevor es mit “Gone With The Wind”, einem der letzten Songs, an dem Tom mitwirken konnte, zum großen Finale kommt. Eine Show, die wir so schnell nicht vergessen werden.