ANIMALS AS LEADERS – Berlin/Wiesbaden

Artikel von
animals-as-leaders-wiesbaden-rodney-fuchs

Tierisches Spektakel

Dass ANIMALS AS LEADERS eine der hochkarätigsten Instrumental Bands sind ist schon länger kein Geheimnis mehr. Das Trio um den Gitarrenvirtuosen Tosin Abasi ist momentan mit den beiden Solokünstlern PLINI und Aaron Marshall aka INTERVALS auf Tour. Wir waren in Berlin und Wiesbaden, um uns das Spektakel der progressiven Gitarrenmusik genauer anzuschauen.

Als objektiven Zuschauer der nur für ANIMALS AS LEADERS gekommen ist, ist es sicherlich ein verwundernder Anblick. So spielen bei PLINI und INTERVALS die selben Gitarrenkünstle. Einzig die Plätze der beiden Hauptakteure wechseln, sowie der Drummer. Ein Konzept, das sicherlich sehr Kosten und Platzsparend ist, aber natürlich auch ein Bandgefüge konstruiert, welches auf sich eingespielt ist. So ist es kein Wunder, dass sich beide Sets durch eine ernorme Tightness auszeichneten.

Während PLINI eher ruhig, progressiv und träumerisch agiert hüllt sich die Location bei Tracks wie “Selenium Forest“ in eine magische Blase die den Zauber mit sich bringt und die Rezipienten in eine gewisse Gefühlslage versetzt, welche wohl als atemberaubend zu betiteln ist. Jedoch muss man gestehen, dass nach vierzig Minuten ein wenig die Luft fehlte, sodass sich die Songs des Australiers etwas zu sehr in sich selbst wiederholten und das Gesamtbild weniger prägnant sondern eher unnötig ausgedehnt wirkte. Auch performativ gab es hier natürlich aufgrund der starken Fokussierung auf das eigene Instrument neben den dezenten und passenden Lichteffekten leider nicht viel zu sehen.

Nach einem kurzen Changeover an den Drums war es an der Zeit für INTERVALS die in den letzten Jahren den ein oder anderen Stilwechsel hinter sich haben und sogar zwischenzeitlich nicht als Instrumentaland unterwegs waren. Musikalisch klingen INTERVALS teilweise ähnlich dem was PLINI fariziert, ob das daran liegt, dass die beiden seit Monaten gemeinsam unterwegs sind oder ob es einfach nur der Nerv der Zeit ist, sei mal dahin gestellt. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass INTERVALS mehr nach vorne gehen und gute Laune verbreiten, sowie das ältere Songs weniger clean gehalten sind und durch djentige Breaks zum Kopfnicken einladen können. Insgesamt eine Show die durchaus Spaß gemacht hat, jedoch auch etwas an performativen Aspekten vermissen ließ.

Doch waren nicht die meisten für den Headliner vor Ort? Tosin Abasi ist auch über das Genre hinaus ein geschätzter Gitarrist der sein Instrument beherrscht wie nur wenige. Aber auch seine Mitstreiter Matt Garstka und Javier Reyes (MESTIS) sind einzigartige Musiker, was sie unter Beweis stellen können. Ein Set das vor Tightness strotzt und keine Verspieler ausmachen ließ, überzeugte auf voller Linie. Mit einer Präsenz die sich in kleinen performativen Gesten äußerte, konnten ANIMALS AS LEADERS auf voller Linie überzeugen, begeistern oder gar verzaubern. Songs wie “Physical Education” wussten mit ihrer Eingängigkeit zu überzeugen, während das altbekannte “CAFO” den phänomenalen Abschluss bildete. Beindruckende Leistungen der Musiker und komplexe Arrangements kombiniert mit Kompositionen auf dem höchsten Level machten diesen Abend aus. Auch wenn es vom Feeling vielleicht cooler gewesen wäre auf einem Barhocker mit einem guten Glas Wein und einer Zigarre zu sitzen und einfach nur zu genießen, war es für die Musiker sicher eine immense Bestätigung, dass nicht nur diese beiden Shows, sondern auch einige mehr auf deren Tour ausverkauft waren. Dementsprechend eng war es auch in beiden Locations.

Im direkten Vergleich muss jedoch gesagt werden, dass der Sound im Kesselhaus des Schlachthofs Wiesbaden um einiges klarer, besser und direkter war, während das Berliner Musik & Frieden etwas zu laut gepegelt war, was bei dieser Musik nicht zwingend notwendig ist. Auch preislich ist der Schlachthof mit einem Euro für eine Flasche Wasser klarer Gewinner, eine Location, die man sich zum Vorbild nehmen sollte.