A DAY TO REMEMBER – Bad Vibrations

Artikel von
a-day-to-remember-bad-vibrations-review-dearly-demented-benhamin-chrubasik

Wütender Ausbruch aus der Komfortzone

A DAY TO REMEMBER sind zurück! Nach fast drei Jahren Tourzeit nahm sich die Band eine kleine Auszeit. Der Tourzyklus zu ihrem gefeierten Album “Common Courtesy” war zwar von großem Erfolg geprägt, aber gleichzeitig auslaugend. Eine Pause war bitter nötig – vor Allem wenn man bedenkt, dass die Gruppe aus Florida ihre letzten drei Longplayer komplett On-The-Road geschrieben hat. Kaum erholt wurden die Jungs jedoch erneut vom Ehrgeiz gepackt und man begab sich zum ersten Mal seit 2007 zusammen in einen Raum und begann an neuen Songs zu arbeiten. Hoch oben in den Bergen begann das, was vor einigen Tagen unter dem Titel “Bad Vibrations” auf dem Markt erschien. Sänger Jeremy bezeichnet den Recording-Prozess als besonders prägend, anstrengend und absolut einzigartig in der Bandkarriere. Es steckt hörbar jede Menge Arbeit in dieser Platte. Das Ergebnis sind elf Titel mit rauhem Klangcharakter – mal wütend, mal euphorisch, mal melancholisch aber stets motiviert und zu 100% fokussiert.  Es ist das wohl ungewöhnlichste, härteste und facettenreichste Stück Musik, das A DAY TO REMEMBER je veröffentlicht haben.

Sehr abwechslungreicher Beginn

Thematisch geht es bei “Bad Vibrations” darum, sich seinen Ängsten zu stellen und aus seiner Komfortzone auszubrechen. Diese verlassen die Jungs auf ihrem neuen Silberling, was für den ein oder anderen Aha-Effekt sorgt. A DAY TO REMEMBER wissen auf dieser Platte  zu überraschen. Schon bei den vorab veröffentlichten Songs stellte man eine deutliche Veränderung des Sounds fest: Denn die elf Songs sind alles andere als glatt gebügelt. Die Amis beweisen Mut zu Ecken und Kanten, durch einen kernigen Sound – mir persönlich stellenweise nicht knackig und definiert genug. Die Produktion hat mir bei “Common Courtesy” etwas besser gefallen, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.  Der erste Gänsehaumoment lässt nicht lange auf sich warten. Im Intro des Titeltracks schreit sich ein wütender Jeremy McKinnon gleich mal die Seele aus dem Leib, woraufhin die Band drauf los prügelt als gäbe es kein Morgen. Der erste Track macht gleich kompromisslos klar was einen auf “Bad Vibrations” erwartet. “Paranoias” welches ebenfalls vorab veröffentlicht wurde, kommt ähnlich direkt daher, wenn auch in etwas anderem Gewand. Ein schneller hardcorepunkiger Song mit einem absoluten Ohrwurm-Refrain. Große Klasse! Als nächstes folgt die aktuelle Single “Naivity”, welche sich auf ironische Art und Weise mit dem Älterwerden befasst und mit melodischer Punkrock-Attitüde überzeugt. Auch hier muss ich sagen: Toller Refrain! Bravo ADTR! Schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Albums, stehen drei Songs zu Buche die unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotzdem erkennt man den prägnanten Sound der Band sofort.

Von Metalcore bis Poppunk: Großes Facettenreichtum

Doch nun meine Freunde folgt das erste echte Highlight. Wie? Die anderen Songs waren doch schon super? Nun ja stimmt, trotzdem  kommen die wahren Perlen, welche dieses Album so großartig machen, erst jetzt. Besonders Liebhaber der härteren Klänge werden nun die Hosenträger schnalzen lassen: Man nehme 75 Prozent PARKWAY DRIVE und 25 Prozent DEFTONES. Diese Zutaten gibt man in den A DAY TO REMEMBER-Mixer. Man erhält den vierten Titel “Exposed”, welcher dreieinhalb Minuten alles und jeden vermöbelt. Gekrönt wird das Ganze von einem hammermäßigen Breakdown. “Bullfight” könnte man gewissermaßen als ein zweites “All I Want” mit leicht angepisster Attitüde beschreiben. Der stärkste Titel der Platte ist “Reassemble”.  Hier haben sich die Jungs wirklich selbst übertroffen. Stimmungstechnisch schwankt der Song zwischen Melancholie und Euphorie.  Harte Riffs, böse Shouts, mitreißende Melodien – mehr geht nicht! “Justified” vertraut auf die selben Elemente, wenn auch etwas  poppiger. “We Got This” und “Same About You” sind Poppunksongs welche einfach Spaß machen und das Album an richtiger Stelle auflockern. Mit “Turn Off The Radio” drehen A DAY TO REMEBER noch einmal richtig auf. Ein klassischer A DAY TO REMEMBER-Song. Sänger Jeremy macht hier einen super Job. Unglaublich wie breit seine Range mittlerweile ist. Den Abschluss liefert das ruhige “Forgive And Forget” welches, das Album mit einem nachdenklich-melancholischen Moment beendet.

Horizonterweiterung mit tollen Arrangements

Mit “Bad Vibrations” ist A DAY TO REMEMBER ein weiterer Meilenstein gelungen. Das Album wirkt stellenweise um einiges düsterer als seine Vorgänger. Die Band zeigt hier eine neue Seite, welche man so noch nicht kannte. Trotzdem sind nach wie vor sämtliche Elemente vorhanden, für welche die Band so geliebt wird. Was mir besonders gut gefällt ist das gute Arrangement der Songs und die stimmungstechnische Dynamik im Verlauf der Platte. Man sitzt hier in einer emotionalen Achterbahn. Aber so ist das nun mal wenn man sich seinen Ängsten stellt. Es erfordert einiges an Mut, welchen A DAY TO REMEMBER hier beweisen. Abzüge gibt es nur für die Abmischung des Albums, welche mir nicht so besonders zusagt.

9 von 10 Punkten auf der “burn-Me-Alive-If-You-Feel-Thats-Justified”-Skala